Digitalisierung von historischen Karten und Plänen

Im Sommer 2023 konnten wesentliche Bestände des Kartenmaterials aus dem Archiv der Stiftung Brandenburg dank einer großzügigen Förderung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg digitalisiert werden.

Für eine Digitalisierung von Archivalien ist dessen vollständige Erschließung Voraussetzung. So musste zuerst eine Vorsortierung und anschließend eine Bestanderfassung vorgenommen werden.
Aufgrund des kurzen Zeitrahmens für die Umsetzung und der komplexen Situation musste eine Eingrenzung der Erfassung vorgenommen werden: Sammlung Landsberg, Sammlung Arnswalde, Sammlung der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) und historische Karten und Pläne aus der Bibliothek. Für die Erfassung der Karten wurde eine Excel-Liste angelegt, vorhandene Erschließungsangaben wurden ergänzt und berichtigt, nicht gelistete Karten wurden neu erschlossen.

Während der Erschließung wurden in der Liste die Schäden zusätzlich erfasst und priorisiert, um entsprechende Restaurierungsmaßnahmen vornehmen zu können.
Die historisch wertvollen und unikalen Ortspläne mussten während des Arbeitsprozesses von der Bestandserfassung ausgenommen werden: die Unübersichtlichkeit der vorhandenen Pläne, Kopien und Doppelungen ist zu hoch und die nötige Bearbeitung zu umfangreich, um in der vorgegebenen Zeit eine Bestandserfassung vornehmen zu können. Die Pläne müssten in einem eigenen Projekt aus allen Ordnern, Konvoluten und Mappen erfasst, erschlossen und auch digitalisiert werden. Auch die historischen Messtischblätter wurden aus den oben genannten Gründen ausgeklammert. Sie sollten in einem eigenständigen Projekt bearbeitet werden.

Es konnten insgesamt 152 Karten erschlossen werden, was in etwa 60 % des gesamten Kartenbestandes entspricht. Durch die Erfassung der Karten in einer Excel-Liste mit Erschließungsangaben konnten schon in der Bearbeitungszeit Rechercheanfragen unkompliziert und schnell beantwortet werden. Zudem wurden dringend nötige bestanderhaltende Maßnahmen umgesetzt. Karten wurden plan gelegt, aus Folien und Bilderrahmen entnommen, einzelne Karten aber auch Konvolute wurden in archivgerechte Mappen umgepackt, richtig verzeichnet und in Planschränke geordnet. Die Karten und Pläne sind nun schnell durchsuchbar und sofort auffindbar.
Weiterhin mussten 13 Karten und sechs Bücher durch eine Restauratorin bearbeitet werden. Eine Karte war extrem von Schimmel betroffen, sie konnte separiert und fachgerecht behandelt werden.

Fotodokumentation von Schimmel betroffener Karte, die restauriert werden musste.

Digitalisierung

Insgesamt wurden 81 Karten digitalisiert, davon vorwiegend Karten und Stiche von vor 1900. Eine entsprechende Excel-Liste (Bewertungsmatrix) gibt eine Übersicht der gefertigten Digitalisate. Die Karten, auch teilweise im Überformat, konnten durch eine Kooperation mit dem Stadtarchiv Frankfurt (Oder) vor Ort professionell gescannt werden.

Blick auf den Scanner-Arbeitsplatz (Digitalisierungswerkstatt im Stadtarchiv Frankfurt (Oder))
Großformat-Scanner (Digitalisierungswerkstatt im Stadtarchiv Frankfurt (Oder))

Herausragendes

Durch die Erschließung der Karten konnten, neben den einmaligen Ortsplänen mit ihren Hausnummerierungen und Namenslisten, weitere herausragende Exemplare sichtbar werden.

Besonders hervorzuheben als eigenes Themenpaket des Kartenbestandes sind die historischen Forstrevierkarten aus einem Zeitraum von 1905 bis 1924. Diese Karten sind ein einmaliges Zeitzeugnis und eine wertvolle Informationsquelle, welche nicht nur die forstwirtschaftlichen Begebenheiten im Baumbestand dokumentieren, sondern auch Dörfer, Wege und Manufakturen, die nicht mehr vorhanden sind, aber auch Naturdenkmäler. Eine detaillierte Expertise über den Wert dieser Forstrevierkarten wurde für die Stiftung Brandenburg von Dr. Mario Huth erstellt, Historiker und Biologe, tätig in der Beratungsstelle für ehrenamtliche Geschichtsarbeit in Brandenburg (Brandenburgische Historische Kommission e.V.). Diese Karten bilden ein einzigartiges und wertvolles Konvolut, was nun digitalisiert werden konnte.

Expertise zu Forstkarten:

Weitere herausragende inhaltliche Themenpakete des Kartenbestandes sind:

  • Konvolut von Witzleben-Karten, die eine Ergänzung zu den digitalisierten Witzleben-Karten der Martin-Opitz-Bibliothek abbilden, da sie fehlende Gebiete abdecken.
  • Konvolut aus fünf „Reymann’s Special-Karten“ von 1880 – 1890. Das Kartenwerk von Reymann stellt eines der detailgenauesten topgraphischen Kartenwerke des 19. Jahrhunderts dar.
  • Populäre Drucke, welche die Schlachtaufstellung der Bataillone im 7-jährigen Krieg, insbesondere der Schlacht bei Kunersdorf, Kay und Palzig von 1759, darstellen.

*Kathrin Hirthammer B.A. Archiv, wissenschaftliche Projekt-Mitarbeiterin Archiv und Digitalisierung